Eine Woche meines Aufenthalts in Großbritannien ist bereits vergangen und ich freue mich auf alle, die noch kommen werden!
Da am Montag hier ja ein Feiertag war und alle Büros geschlossen hatten, began meine richtige Woche erst am Dienstag (habe ich euch im letzten Beitrag von berichtet) und sagen wir so, es war eine doch recht abwechslungsreiche Woche.
Meine erste Erkenntnis am Mittwoch Morgen: Ich habe es eindeutig nicht vermisst, dass mein Wecker bereits um 6.30 Uhr klingelt. Nachdem ich die letzten Monate seid der Schule ja einen doch eher entspannten Tagesablauf hatte, heißt es nun wieder früh aufstehen. Ich weiß nicht, ob ich mich daran wirklich wieder gewöhnen möchte ... Mein erster richtiger Arbeitstag und ich musste mich aus dem Bett quälen - ich kann mir eindeutig schöneres vorstellen! Als ich es dann jedoch geschafft hatte und im Bus saß, wurde mir klar, dass Brighton wirklich eine unglaublich tolle Stadt ist. Das mag sich jetzt nach einer ziemlichen Schwärmerei anhören, aber ich habe es einfach so empfunden. Was ich besonders toll an dieser Stadt finde, ist sehr leicht zu erklären: du siehst immer irgendwo Wasser! Wenn ich bei meiner Gastfamilie auf dem Hügel stehe, kann ich bis zur Küste blicken und wann immer ich mit dem Bus fahre, um in die Innenstadt zu gelangen, fahre ich auf einer Staße, die parallel zur Küstenlinie läuft und sehe ständig Wasser. An sich ist das nichts besonderes, schon klar, aber am Mittwoch Morgen fand ich das einfach wunderbar. Und ich denke, dass der "Wasser-Faktor" auch ein Grund ist, warum ich mich schon jetzt richtig wohl in dieser Stadt fühle.
Auf Arbeit angekommen, wurde ich weiter in die Programme des Büros eingewiesen, welche die Buchungen für Reisen speichern. Am Dienstag kam mir das ganze noch unheimlich kompliziert vor, Mittwoch Mittag fand ich es einfach nur noch langweilig. Ich habe 7,5 am Stück (okay, Mittagspause dazwischen) ein und die gleiche Arbeit erledigt. Das war keine große Anstrengung für das Gehirn und auch keine sonderliche Motivation. Ich war wirklich froh, als ich an diesem Tag wieder im Bus nach Hause saß. Mir ist vollkommen klar, dass sie einem Praktikanten (und erst recht keinem, der erst einen Tag da ist) keine großen wichtigen Aufgaben geben, aber ich habe mich da einfach unterfordert gefühlt und musste mich immer wieder in Erinnerung rufen, um eine neue Aufgabe zu bekommen, auch wenn es die gleiche wie zuvor war. Mein erster wirklicher Arbeitstag war also sehr bescheiden, aber das konnte ja eigentlich nur Besserung bedeuten! Um nicht nur schlechtes von meinem ersten Tag zu berichten: ich habe ein eigenes Telefon und eine eigene Büro Mail-Adresse, allerdings ist beides noch nicht sonderlich in Nutzung.
Nach einem nicht ganz so guten Start, fiel es mir am Donnerstag noch schwerer aus dem Bett zu kommen ... Auf Arbeit ging es dann tatsächlich mit den gleichen Aufgaben des Vortages weiter, ich war sehr begeistert. Und dann - endlich - durfte ich etwas anderes machen. Ich konnte PowerPoint Präsentationen erstellen: das kann ich und das mag ich. Und da ich auch noch mein Gehirn anstrengen musste, um die richtigen Informationen zu finden und ordentlich zu formulieren, verlief mein zweiter Tag doch deutlich besser als der erste. Freitag verlief es dann ähnlich wie Donnerstag, erst wieder stupide Arbeit und dann Arbeit, die tatsächlich Spaß macht. Wenn es zumindest etwas Abwechslung gibt, kann ich gut damit leben. Allerdings gab es Freitag wieder einen kleinen Tiefpunkt: meine "Betreuer" sind zu einem Meeting gegangen und habe mir zwar eine Aufgabe gegeben, aber die war sehr schnell erledigt. Also saß ich dann da und hatte nichts zu tun. Gut, ich habe erst einmal meine Mittagspause gemacht, aber selbst dann waren sie noch nicht da. Ich saß dann noch weitere 40 Minuten und habe nichts gemacht, wirklich nichts! Ein Hoch auf das Internet, denn das Büro hat zum Glück wlan! Als dann alle wiederkamen, habe ich gleich nach einer Aufgabe gefragt, allerdings glaube ich, dass sie doch etwas genervt von mir waren. Innerlich habe ich da ja bereits gehofft, dass sie sagen, ich könne an diesem Freitag dann auch einfach früher gehen ... Leider war dem nicht so ...
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| mal eben in der Mittagspause aufgenommen ... |
Da ich jeden Tag eine Mittagspause von einer Stunde habe, ist genug Zeit, um sich ein leckeres Essen zu kaufen und sich dann weiter mit der Stadt vertraut zu machen. Am Donnerstag habe ich in einem Bagel-Laden gegessen - sooo was leckeres! Bagel mag ich ja eh und dann noch mit frischen, leckeren Sachen belegt, es war der Hammer! Ein weiteres Highlight am Donnerstag war der Feueralarm auf Arbeit: Plötzlich geht der Feueralarm los, aber alle bleiben ruhig sitzen. Ich gucke hilfesuchend zu Eleanor und sie erklärt mir, dass es jeden Donnerstag um 11 Uhr eine Probe des Feueralarms gibt. Fürs nächste Mal bin ich also vorbereitet. Übrigens hat Donnerstag hier auch wieder die Schule angefangen. Es laufen jetzt also lauter kleine (und auch große) Kinder in niedlichen Uniformen durch die Gegend. Wirklich hübsch anzusehen!
Außer der Arbeit gab es auch noch ein paar andere Dinge im Laufe der letzten Tage, von denen ich euch gerne berichten würde:
1. Ich habe das erste Mal in meinem Leben Tee mit Milch getrunken und musste feststellen, dass ich es mir irgendwie anders vorgestellt habe. Für mich hatte es nicht viel Geschmack, hat aber auch nicht schlecht geschmeckt. In Zukunft werde ich es aber vermutlich doch nicht so häufig trinken, da ich es einfach als nichts besonderes empfand.
2. Ich wurde die Woche sehr an Deutschland erinnert, nämlich als ich morgens an einem Supermarkt vorbeigefahren bin und die alten Leute bereits alle davor gewartet haben, da er noch nicht geöffnet hatte. Das ist ja in Deutschland auch keine Seltenheit und daran musste ich sofort denken.
3. Mein Gastvater singt Hits wie
"Time after Time" unter der Dusche mit, ein Spektakel, welches man nicht verpassen sollte!
4. Ein Kollege hat mich mit "Guten Morgen" und "Wie geht's?" auf Deutsch begrüßt, fand ich wirklich sehr nett! Es war zwar etwas schwerfällig, aber eine nette Geste!
5. Brenda hat mir den einen Abend ein Käseomlett gemacht, unfassbar lecker! Und sie war ganz schockiert, als ich erwähnte, dass ich noch nie zuvor eines gegessen habe. Ich hoffe, das macht sie jetzt öfter.
6. Schon gewusst, dass es an der Westküste der USA auch ein Brighton gibt? Es ist ein Ski Resort und wird von Skibound für Reisen angeboten.
7. Alle Busse in Brighton und Umgebung kannst du nur besteigen, wenn du dein Ticket beim Busfahrer vorzeigst und dennoch hatte ich den einen Morgen das Erlebnis, dass ich im Bus noch einmal kontrolliert wurde. Als hätte man eine Chance ohne Ticket in den Bus zu kommen ...
8. Brenda hat versucht "eins, zwei, drei" zu sagen, hörte sich wirklich lustig an. Allerdings hat sie das gemacht, um mir zu zeigen, dass niemand von mir erwartet, dass ich perferkt Englisch spreche, denn die meisten können kein Wort Deutsch. Ich bin auf Arbeit nämlich immer noch sehr unsicher, was das Sprechen angeht und sie wollte mir einfach meine Ängste nehmen :)
9. Mein Samstag hat etwas überraschend angefangen: ich bin vor Brenda und Kevin aufgestanden, habe gefrühstückt und wollte gerade wieder nach oben gehen, als plötzlich die Tür geöffnet wird. Ich war doch sehr überrascht, denn schließlich waren Brenda und Kevin immer noch oben. Plötzlich steht dann einer ihrer Söhne (36) vor mir und meint, dass er die eine Katze reingelassen hat, eine Maus vor der Tür liegt und er sie nicht wegräumen wird, weil er seine Mutter ärgern will (36!). Und dann war er auch schon wieder verschwunden. Sehr eigenartige Begenung ...
Allgemein mein war mein Samstag ein Samstag voller Begenungen und Besichtigungen, denn ich bin mit Bus nach Oxford und Windsor gefahren. Über meine Agentur hier werden solche Touren angeboten und die Chance habe ich gleich genutzt. Zunächst mal war es unheimlich interessant, wie viele verschiedene Nationalitäten im Bus vertreten waren: Brasilien, Schweiz, Südkorea, Italien, Belgien, Türkei, Frankreich ... Unglaublich! Und alles Leute etwa in meinem Alter.
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| Windsor Castle |
Da waren wir also, ein Bus voller junger Erwachsenen, welche sich nicht in ihrer Muttersprache verständigen konnten. Um sowohl Windsor als auch Oxford nicht ohne irgendwelches nützliches Wissen wieder zu verlassen, wurde uns ein Guide, Andrew, für die Tour zur Seite gestellt. Andrew hat uns schon auf dem Hinweg einiges erzählt, während er immer wieder mit unserem Busfahrer, Tuffy, Witze gerissen hat. Ein paar Fakten habe ich sogar behalten können, z.B. ist der Flughafen London Heathrow tatsächlich der drittgrößte der Welt und sogar der meist bereiste! Ich würde sagen, dass ich jetzt für jeden Flughafen gewappnet bin! Desweiteren erzählte er uns natürlich etwas über Windsor und Oxford und unter anderem, dass Oxford die älteste Universität im Englisch sprachigen Raum ist und die Queen eigentlich viel häufiger in Windsor Castle als im Buckingham Palaste ist.
In Windsor hatten wir das Glück, dass wir genau zum Wacht-Wechsel da waren, ein wirklich tolles Spektakel.
Außerdem sind wir noch am Haus von Elton John vorbeigefahren und habe eine Vorlage für die Harry Potter Filme uns zumindest von außen angsehen. Die Universität von Oxford besteht aus 38 Colleges, welche alle über die Stadt verteilt sind und das größte von ihnen diente mit seinem Speisesaal und den Treppen den Machern der Harry Potter Filme als Vorlage.
Auf dem Trip heute, habe ich ein Mädchen aus Brasilien und zwei aus Italien kennengelernt und mich gut mit ihnen verstanden, allerdings gibt es da ein Problem: die beiden Mädchen aus Italien fliegen schon nächsten Sonntag wieder zurück und die aus Brasilien in zwei Wochen ... Also niemand, mit dem ich meine Zeit hier verbringen kann.
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| Oxford - Teil der Bibliothek |
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| auch Oxford |
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| Oxford - Harry Potter Vorlage |
Während ich heute in dieser größeren Gruppe unterwegs war, ist mir aufgefallen, dass ich es eigentlich wirklich nervig finde, wenn ich in einer Reisegruppe umherlaufen muss. Die Tage, die ich allein in Brighton verbracht habe, waren deutlich entspannter. Ich konnte mir ansehen, was ich wollte und so lange ich wollte, ich hatte genug Zeit um zu fotographieren und alles in mich aufzunehmen. Heute war alles so gehetzt ...
Ich wurde die Woche gefragt, ob ich schon irgendetwas vermisse und eigentlich kann ich klar sagen: Nein, ich vermisse eigentlich nichts. Wäre doch auch etwas merkwürdig, wenn ich schon nach einer Woche Heimweh hätte oder alles vermissen würde, oder? Heute habe ich darüber allerdings noch einmal genauer nachgedacht (hatte auf der Busfahrt ja Zeit) und bin zu dem Ergebnis gekommen, dass ich sehr wohl etwas vermisse und das sind die Möglichkeiten. Die Möglichkeit, sich einfach spontan mit Freunden an den Stadthafen zu setzen oder mit Mama an Strand zu fahren, um dort zu picknicken. Natürlich habe ich hier ganz andere Möglichkeiten, aber das kann man irgendwie nicht vergleichen ...
Das war es dann auch erst einmal wieder von mir. Ich lasse demnächst wieder von mir hören!
Nadine
P.S.: Falls jemand von irgendetwas noch mehr Bilder sehen möchte: sagt bescheid, ich habe eine ganze Menge!